Sollten wir in der Instandhaltung weniger arbeiten?

In der Regel arbeiten wir in Deutschland 45 Jahre, bevor es dann in den wohlverdienten Ruhestand geht. In Summe sind das ca. 1710 Arbeitswochen. Aber wie genau sieht eigentlich so eine Arbeitswoche aus?

44% unserer Zeit nutzen wir für unsere Grundbedürfnisse wie essen, schlafen, trinken oder für die Körperhygiene. 27% für die Arbeit und den Pendelweg dorthin. Hinzukommen ca. 9% für den Haushalt. Dann bleiben noch mehr oder weniger unserer Zeit zur freien Verfügung.  

Bei den Grundbedürfnissen und Haushalt lässt sich im optimierten Fall nur wenig mehr Lebenszeit herausschlagen. Aber was ist mit der Arbeit? Gibt es hier nicht Möglichkeiten, mehr freie Zeit herauszuholen?

Ist es nicht Dank Digitalisierung und Automatisierung möglich, durch effizientere Arbeitsabläufe mehr Produktivität pro Kopf zu erzeugen? Und somit mehr Arbeit in weniger Zeit zu schaffen, sodass es möglich ist, kürzer zu arbeiten bei gleichem Gehalt? 

Was sagt die WISSENSCHAFT dazu und was bedeutet das für die INSTANDHALTUNG? Können wir jetzt schon kürzer arbeiten trotz Fachkräftemangel – auch in der Instandhaltung?  

Die Antwort – Ja, ABER …

In unserem neusten Blogbeitrag gehen wir dem Thema auf den Grund? Lesen hier den gesamten Artikel.

Kürzer Arbeiten bei gleichem Lohn

Ist das radikal? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es in der Vergangenheit schon öfters zu Arbeitszeitverkürzungen gekommen ist. 

Aber die große Frage ist doch, ob nicht jetzt wieder Zeit für eine Arbeitszeitverkürzung ist? Laut einer aktuellen Studie von Maximilian Blömer würden gerne 50% der Männer und 41% Frau weniger arbeiten[1]. Aber was sind die größten Argumente für und auch gegen eine Arbeitszeitverkürzung?

Wir blicken auf die stärksten Pro- und Kontra-Argumente. 

 

Argument 1: Leider sind wir nicht 8h produktiv!

Seien wir ehrlich, wer von uns ist wirklich 8h produktiv? Hier ein Café, da ein zweites Frühstück, hier ein Plausch auf dem Flur und vielleicht noch schnell die neuesten Nachrichten und Tweets checken [2]. Die Forschung zeigt leider keine eindeutigen Ergebnisse, wie lange wir MAXIMAL produktiv sein können. Aber in Punkto Arbeitssicherheit zeigt sich, dass unsere kognitive Leistungsfähigkeit nach 7 Stunden stark nachlässt und das dadurch das Unfallrisiko deutlich zunimmt [3].

Und vermutlich passt das Argument gar nicht auf einen selbst und viele denken sich jetzt, dass man selber auf jeden Fall mindestens 8h, wenn nicht noch länger, produktiv sein kann. 

Vielleicht trifft dann folgendes Phänomen zu? 

Cyril Northcote Parkinson stellte in den 50er Jahren fest, dass die Arbeit an die verfügbare Zeit angepasst wird, also je mehr Zeit für eine spezifische Aufgabe zur Verfügung steht, desto länger dauert diese Aufgabe [4]. Aber das Gefühl von Produktivität ist allgegenwärtig, denn man hat sich in der Zeit mit einer Tätigkeit gut “beschäftigt”. 

Aber ist das Leistung? 

Argument 2: 40h Vollzeitjobs schaffen nicht mehr Gleichberechtigung

⅓ aller Vollzeitjobs haben Frauen [5]. Also arbeiten ⅔ der Männer in den restlichen Vollzeitjobs. Für viele Frauen bedeutet das aber nicht, dass sie weniger leisten. Sie leisten mehr im Haushalt, in der Betreuung der Kinder oder in der Pflege von Angehörigen. Sie arbeiten in der Fürsorge im Schnitt 2,4 mal mehr und 1,6 mal mehr im Haushalt als Männer und das unbezahlt [6]. 

Aber was würde passieren, wenn es für beide Geschlechter Vollzeitjobs mit kürzerer Wochenarbeitszeit geben würde? Zum Beispiel eine 35h Woche. In diesem Fall könnte es dabei unterstützen, dass beide Rollen in gleichen Teilen die Aufgaben in der Fürsorge wahrnehmen könnten. Dazu hat eine wissenschaftliche Studie mit 2000 Probanden gezeigt, dass in einer 35h Woche bei gleichem Gehalt die Aufgaben in der Rollenverteilung deutlich gerechter verteilt worden sind. Dadurch wird das Potential freigesetzt, mehr Frauen in Vollzeitjob zu lotsen. Mehr Gleichberechtigung, mehr Möglichkeiten für Frauen in der Technik und somit ein großes Potential aktiv dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, würde zu mindestens aus dieser Perspektive ein klares Pro für die Arbeitszeitverkürzung bedeuten [7]. 

Aber dazu später noch mehr. 

Argument 3: Arbeitszeitverkürzung hat eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit – was für eine These! 

Ein weitere Studie stellte fest, dass eine kürzere Arbeitswoche den Stresspegel deutlich reduziert, mehr Schlaf genommen wird und dass Mitarbeiter weniger Rückenschmerzen, Bluthochdruck oder Herzleiden haben. Zudem berichten die Teilnehmer in der Studie, dass sie sich auch mehr Zeit für Sport nehmen, was natürlich für die Gesundheitsprävention einen positiven Effekt hat. Für den Arbeitgeber eine zusätzliche erfreuliche Nachricht, dass die Krankheitstage laut Studie merklich zurückgegangen sind [7]. 

Argument 4: Kürzere Arbeitszeit beeinflusst die Effizienz positiv

Wenn man einen Blick auf eine aktuelle Studie aus Island wirft, stellt man fest, dass in weniger Zeit mehr geleistet und dadurch mehr Effizienz und Produktivität in den Arbeitsabläufen erzeugt worden ist. So wurden Kaffeepausen gekürzt, Meetings neu gestaltet und die Arbeitsabläufe digitalisiert [8]. 

Jedoch einfach das gleiche Pensum in weniger Zeit zu schaffen, bedeutet mehr Stress und die positiven Aspekte einer Arbeitszeitverkürzung für die Gesundheit würden zunichte gemacht werden [9]. 

Und hier kommen wir dann auch schon zu den Gegenargumenten. 

Gegenargument 1: Es kostet viel Geld, sehr viel … aber nur in einzelnen Berufszweigen 

Gesehen in Göteborg, wo in einem Wohnheim der 6h Tag eingeführt worden ist. Auch dieses Experiment ist wissenschaftlich begleitet worden. Die Beschäftigten fühlten sich während der Studie deutlich fokussiert, machten mehr Sport und ernährten sich gesünder [10]. 

Aber nach dem Experiment wurde der 6h-Tag so schnell abgeschafft, wie er eingeführt worden ist. Denn die Personalkosten zur Schichtabdeckung explodierten. Mehr Gehälter und mehr Sozialabgaben kamen auf die Arbeitgeber zu. 

Denn ähnlich wie in der Instandhaltung, kann man die Leistung an der Maschine oder in der Wartung nicht ohne weiteres reduzieren. 

Gegenargument 2: Ist denn überall Arbeit gleich Arbeit?

Wir kennen das in der Dienstleistung nur zu gut, dass es Arbeiten gibt, wo man rund um die Uhr einen Ansprechpartner braucht [11]. Und auch Selbstständige und vor allem die Solopreneure haben im ersten Augenblick sehr wenig von einer begrenzten bzw. reduzierten Arbeitswoche. Denn diese sind häufig schon jetzt nicht bei einer Normalarbeitszeit angekommen [12]. 

Somit kann man doch einfach sagen, dass die Idee einer Arbeitszeitverkürzung eine schöne Sache ist, aber in vielen Fällen nicht bezahlbar oder in vielen Branchen und Rollen einfach nicht umsetzbar sind. 

ABER – Arbeitszeitverkürzung hat es in der Vergangenheit schon öfters gegeben

Zum Beispiel in der Zeit von 1871 – 1891. In dieser Zeit war es üblich, dass ganze Familien in den Fabriken gearbeitet haben. Ab 1891 mussten dann schulpflichtige Kinder nicht mehr arbeiten und die 6 Tage Woche wurde eingeführt. Und auch zu Zeiten der Arbeitnehmerbewegungen zwischen 1891 – 1918 wurde der Rahmen für den 8h Tag gesetzt [13]. 

Damals wie heute gab es die Angst vor zu wenig Effizienz. Aber Arbeitsabläufe wurden systematisch optimiert und es wurde angefangen, die Maschineneffizienz stetig zu steigern [14]. Einer der Pioniere für die Arbeitszeitverkürzung war Henry Ford, der mit seinen Prinzipien und Methoden gleichzeitig die Effizienz seiner Mitarbeiter und der Maschinen deutlich erhöhte [15]. 

Und was will man sagen, seitdem ist doch viel passiert, sehr viel. 

Wir haben unsere Arbeitsabläufe grundlegend verändert. Schreiben E-Mails und haben hochautomatisierte Maschinen und Technologien, die sich immer schneller weiterentwickeln. 

Zudem haben aktuell eine Vielzahl der Beschäftigten durch Arbeiten im Homeoffice die Wegzeiten zur Arbeit deutlich reduziert und mit der Hilfe der digitalen Medien sind Vor-Ort-Meetings und damit verbundenen Dienstreisen deutlich reduziert worden. Dadurch ist spürbar mehr freie Zeit für die Mitarbeiter entstanden. 

Sind das nicht genügend Argumente für eine Arbeitszeitverkürzung – die steigende Produktivität? 

Vergleicht man die Arbeitsproduktivität pro Erwerbstätige, dann ist leider durch die Digitalisierung, der besseren Arbeitsabläufe und der Automatisierung die Produktivität in den letzten 20 Jahren nicht signifikant gestiegen, wie es die Wissenschaft vermutet hat [16]. 

Die Ursache ist nicht genau bekannt, warum die Produktivität trotz der Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung nicht zunimmt. Forscher haben diesem Phänomen den Namen Produktivitätsparadoxon geben [17]. 

Denn sie vermuten zum einen, dass es noch eine gewisse Reifezeit braucht, bis die Digitalisierung wirksam wird. Zum anderen, dass viele Unternehmen noch nicht so digitalisiert sind, dass sie den Zuwachs an Produktivität durch die modernen Tools und Hilfsmittel spüren [18].

Und trotzdem gibt es auch heute Pioniere wie Henry Ford, die jetzt schon erfolgreich eine Arbeitszeitverkürzung leben und erklären, dass die Produktivität im Unternehmen dadurch nicht gelitten hätte [19]. 

Und das ist der Treiber. 

Unternehmen, die jetzt anfangen, ihre Arbeitszeit zu verkürzen und dadurch einen riesigen Benefit gegenüber den Unternehmen haben, die aktuell noch das Employer-Branding mit Gesundheitstagen und dem berühmten Obstkorb aufpolieren wollen. 

Aber was bedeutet das für die Instandhaltung? 

Jeder ist vermutlich gerade gedanklich bei seinem Zeitkonto und denen seiner Teams angekommen, welche komplett den Rahmen sprengen.

Kann man sich jetzt schon eine Arbeitszeitverkürzung in der Instandhaltung erlauben? 

Die Antwort – Ja, aber in den meisten Fällen zu einem deutlich späteren Zeitpunkt als MORGEN

Aber um den RUN auf die Talente nicht zu verlieren, wird der Markt immer attraktivere Zeitmodelle entwickeln. 

Diese Entwicklung wird in der Instandhaltung dadurch begrenzt sein, dass die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Maschinen und Anlagen an vielen Stellen noch nicht ausreichen. Die daraus resultierenden ungeplanten Maschinenausfälle müssen durch kostspielige Schichten und Bereitschaftsdienste abgefangen werden. Dieser Service, welcher konservativ meist noch vor Ort erfolgen muss, wird eine Arbeitszeitverkürzung sehr kostspielig und letztendlich nicht realisierbar Machen.

Jedoch die Unternehmen, die sukzessive über Jahre die Strategie verfolgen, ihren Bereitschaftsdienst und die Schichten zur Störungsbeseitigung zu reduzieren, können eine Arbeitszeitverkürzung als einen der nächsten Entwicklungsschritte sehen. 

Oftmals findet man in diesen Unternehmen Risk Based Maintenance, RCM, konsequente Fehler- und Ursachenanalysen und einen qualitativ hochwertigen digitalen Auftragsabwicklungsprozess wieder, der genügend Informationen bereithält, um nachhaltig Fehlerwiederholraten zu verringern.  

Ein weitere Punkt ist, dass viele Instandhaltungsorganisationen noch nicht soweit digitalisiert sind, dass sie in den Prozessen der Administration, im Engineering oder im Bereich des Supports spürbar mehr Produktivität erzeugen. Viele Informationen in diesen Bereichen sind digital erfassbar und auswertbar, müssen aber in vielen Fällen doppelt in den Schnittstellen gepflegt werden. Häufigste Ursache sind die vielfältigen Workarounds, Systeme und Medienbrüche in der Systemlandschaft. 

Versteckte Potentiale findet man häufig in folgenden Bereichen:  

  • Planung und Terminierung 
  • Störungsanalysen 
  • Schichtplanung
  • Urlaubsorganisation 
  • Stundenkorrekturen
  • Papierlose Dokumentation im Auftragsabwicklungsprozess 
  • Digitale Checklisten
  • Dokumentation der Unterweisungen 
  • Kompetenz- und Qualifikationsmatrix und Entwicklungspläne
  • Schnittstellen zum Controlling
  • Lagerprozesse 
  • Abnahme von Anlagen und Maschinen und deren Dokumentation 
  • Einbindung von Stammdaten von Dritten

Trotz der vielen einzelnen Digitalisierungsmaßnahmen ist eine Produktivitätszunahme in der Instandhaltung noch nicht in allen Prozessschritten spürbar. Aber hier wären die Räume und Gestaltungsmöglichkeiten für die zukünftigen Arbeitszeitmodelle, um die Attraktivität der Jobs in der Technik sowohl für Männer als auch vor allem für Frauen zu steigern. 

Fazit

Die Anwesenheit (in) der Instandhaltung ist noch immer das A und O und kann nur durch ganzheitliche Optimierungsprojekte zur Produktivitätssteigerung kompensiert werden. Die Veränderungen können mitunter langwierig und sehr anstrengend für die Organisationen werden. Aber das Potential ist da und sollte genutzt werden, denn der Treiber für den zukünftigen Erfolg einer Instandhaltung sind Fachkräfte und die gehen dorthin, wo es für sie die besten Bedingungen gibt. 

Also welches Argument ist stärker als mehr freie Zeit.

Starten Sie jetzt und nutzen Sie Ihre Potentiale in der Instandhaltung, um nachhaltig die Produktivität zu steigern. 

Gerne unterstützen wir Ihr Projekt mit einem Impulsvortrag zum Thema „Maintenance, the new Normal – Systematisch mehr Verfügbarkeit und Produktivität erzeugen“. 

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Quellen zum download find Sie hier.

Benjamin Kuhn

Geschäftsführer nxtmaintenance

Benjamin Kuhn Gründer von NXTmaintenance ist seit mehr als 15 Jahren in der Instandhaltung tätig. Davon 8 Jahre in der Leitung von Optimierungs- und Restruktierungsprojekten von kleinen bis großen Instandhaltungsorganisationen sowie in Digitalisierungsprojekten, um die Produktivität und Wirksamkeit der Instandhaltung zu verbessern.
Immer dabei die Praxis im Blick, um maximale Mehrwerte für Instandhaltung und dem Mitarbeiter zu generieren.

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